Ausgabe 33, 11. bis 17. August 2018

Manchmal ist die Luft einfach draussen. (Foto: Kurt Michel/pixelio.de)Manchmal ist die Luft einfach draussen. (Foto: Kurt Michel/pixelio.de)

1 KÖNIGE 19,4–8
In jenen Tagen ging Elija eine Tagereise weit in die Wüste hinein. Dort setzte er sich unter einen Ginsterstrauch und wünschte sich den Tod. Er sagte: Nun ist es genug, Herr. Nimm mein Leben; denn ich bin nicht besser als meine Väter.
Dann legte er sich unter den Ginsterstrauch und schlief ein. Doch ein Engel rührte ihn an und sprach: Steh auf und iss!
Als er um sich blickte, sah er neben seinem Kopf Brot, das in glühender Asche gebacken war, und einen Krug mit Wasser. Er ass und trank und legte sich wieder hin.
Doch der Engel des Herrn kam zum zweiten Mal, rührte ihn an und sprach: Steh auf und iss! Sonst ist der Weg zu weit für dich.
Da stand er auf, ass und trank und wanderte, durch diese Speise gestärkt, vierzig Tage und vierzig Nächte bis zum Gottesberg Horeb.

Einheitsübersetzung

Das wars dann …

Müdigkeit und Verzweiflung! Ich kann nicht mehr! Es reicht! Wer kennt das nicht? Da hat man sich mit viel Elan und Energie eingesetzt für die Familie, im Beruf, vielleicht auch im einen oder anderen Ehrenamt. Und man hat dabei vielleicht sogar einiges erreicht: das eigene Haus ist wunderschön geworden, die Kinder sind gut geraten, Erfolg und Anerkennung im Beruf. Aber dann bricht plötzlich die Kraft weg und die Luft ist raus. Manchmal einfach so, ohne dass man weiss warum. Ein Gefühl von Leere und Sinnlosigkeit bleibt zurück. Manchmal sind es aber auch Schicksalsschläge, die uns in die Wüste führen: eine erschreckende Diagnose, der Verlust eines geliebten Menschen, der Verlust des Arbeitsplatzes oder die Trennung vom Lebensgefährten. Wie sollen wir diese Schrecken und Nöte bloss bewältigen? Es gibt Momente, da können wir das einfach nicht mehr. Dann ist man einfach nur noch müde. Müde von der eigenen Not oder ermattet von den Nöten, von denen man hört und sieht.

Genau so erging es dem Propheten Elija in der Wüste. Er, der kurz zuvor noch so voller Eifer gekämpft hat für seinen Gott und auf dem Berg Karmel gegen die Baalspriester antrat, der grosse Prophet, der sein ganzes Leben dafür eingesetzt hat, dass Gott von seinem Volk wieder gehört, ernst genommen, erwartet und ersehnt wird – hier ist er nur noch ein Häufchen Elend und begegnet uns als ein Mensch voller Verzweiflung, in einer schweren Erschöpfungsdepression. Sein Leben geriet akut in Gefahr, da die Häscher der Königin ihm auf den Fersen waren. Jammern, das war eigentlich nicht sein Ding – aber was zu viel ist, ist einfach zu viel. So läuft er weg – in die Wüste. Nichts mehr sehen und hören, einfach in Ruhe gelassen werden. Müde ist er geworden, richtig lebens-müde. Nur noch schlafen und möglichst nicht mehr aufwachen. Zur Wüste ist sein Leben geworden. Burnout – ausgebrannt!

«Doch ein Engel rührte ihn an.» Wie berührend ist doch dieser Gott, der weder zurechtweist, noch vertröstet oder beschönigt. Nur eine sanfte Berührung, mit der der Engel das zerbrochene Herz erreicht. Kein «Reiss dich zusammen!» und kein «Stell dich nicht so an!», ja nicht einmal ein «Fürchte dich nicht!». Bloss etwas zu essen und zu trinken. Und dann noch eine Runde weiterschlafen. Die Berührung des Engels hat keine Eile. Sie geschieht in unendlicher Geduld. Sie gibt dem Schlafenden Zeit, bis es zumutbar ist, aufzustehen. Und die Geschichte endet nicht unter dem Ginsterstrauch!

Diese sanfte und liebevolle Fürsorge Gottes gibt Elija Kraft, sich wieder auf den Weg ins Leben zu wagen.
Ja, wie gut ist es – wenn wir in solchen Zeiten nicht alleine gelassen werden, wenn wir spüren, wir werden ausgehalten, wir werden gehalten! Manchmal reicht das bereits, um wieder Kraft zu finden, weiterzugehen.
Vielleicht ein Hinweis für uns, wie auch wir unseren Mitmenschen in Not zu tröstenden Engeln werden können; zu Engeln, die sich ihnen ganz zuwenden, die zuhören, Geduld haben, Zeit haben, die ihre Traurigkeit und ihr Leid teilen und nicht gleich mit Ratschlägen kommen, die einfach durch ihr Dasein Mut machen, weiterzugehen.

Nadia Miriam Keller, Theologin, ursprünglich Pflegefachfrau, arbeitet in der Pfarrei St. Odilia, Arlesheim

 

ZUM THEMA

  • Vor 50 Jahren veröffentlichte Papst Paul VI. ein Lehrschreiben über Empfängnisverhütung

    Das Lehrschreiben «Humanae Vitae» löste eine negative Spirale aus. Diese wirkt bis heute nach, glaubt Daniel Bogner, Professor für Moraltheologie und Ethik an der Universität Freiburg. >> mehr...

  • Hirten und Hirtinnen geben Kraft und Elan

    «Ich selbst aber bringe die Zerstreuten und Verlorenen zurück auf ihre Weide; sie sollen fruchtbar sein …» Dem Propheten Jeremia sind alle Hirten offenbar suspekt. Sie handeln entweder zu ihrem eigenen Vorteil, zur Selbstdarstellung oder nehmen ihren Auftrag nicht ernst, für die zu sorgen, die ihnen anvertraut sind. Wir können hier viele Beispiele anfügen, wo Hirten ihre Anvertrauten entweder nicht sehen, nicht ernst nehmen oder sogar missbraucht haben. Das Nicht-ernst-genommen-Werden der Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und Anvertrauten ist weitverbreitet, nicht nur in der Kirche. >> mehr...

 

Kirche heute
Innere Margarethenstrasse 26, 4051 Basel, Tel. 061 363 01 70, sekretariat@kirche-heute.ch