Ausgabe 34, 20. bis 26. August 2016

Welche Zielvorstellungen können uns helfen, das Zusammenleben von bald 7,5 Milliarden Menschen sinnvoll, gerecht und verträglich zu gestalten? (Foto: Klicker/pixelio.de)Welche Zielvorstellungen können uns helfen, das Zusammenleben von bald 7,5 Milliarden Menschen sinnvoll, gerecht und verträglich zu gestalten? (Foto: Klicker/pixelio.de)

 

JESAJA 66,18–21
Ich kenne ihre Taten und ihre Gedanken und komme, um die Völker aller Sprachen zusammenzurufen, und sie werden kommen und meine Herrlichkeit sehen. Ich … schicke von ihnen einige, die entronnen sind, zu den übrigen Völkern … und zu den fernen Inseln, die noch nichts von mir gehört und meine Herrlichkeit noch nicht gesehen haben. Sie sollen meine Herrlichkeit unter den Völkern verkünden. Sie werden aus allen Völkern eure Brüder als Opfergabe für den Herrn herbeiholen auf Rossen und Wagen, in Sänften, auf Maultieren und Dromedaren, her zu meinem heiligen Berg nach Jerusalem, spricht der Herr, so wie die Söhne Israels ihr Opfer in reinen Gefässen zum Haus des Herrn bringen. Und auch aus ihnen werde ich Männer als Priester und Leviten auswählen, spricht der Herr.

Einheitsübersetzung

 

Traumhafte Globalisierung?

Die Globalisierung, die sich auf allen Ebenen unseres Lebens und Zusammenlebens mehr und mehr durchsetzt, löst nicht nur Begeisterung und Euphorie aus, sondern weckt auch vielfältige Befürchtungen, provoziert Widerspruch und Abwehr, sorgt für Irritationen und Gefühle der Überforderung und Ohnmacht. Zwar profitieren wir gerne und ausgiebig von ihren schönen und berauschenden Seiten, etwa von den Möglichkeiten, die uns die elektronischen Kommunikationsmittel oder die Reisebranche bieten, vom grenzenlosen Güter- und Informationsaustausch, von technologischen und wissenschaftlichen Spitzenleistungen, vom Weltjugendtag in Krakau bis zu Olympia in Rio. Nach wie vor lassen wir uns blenden von Fortschrittsgläubigkeit, Machbarkeitswahn und einer Machtfülle, die ins Unermessliche wächst. Gleichzeitig spüren wir, dass da auch unberechenbare Entwicklungen im Gang sind, von denen wir nicht wissen, ob sie uns ins apokalyptische Chaos stossen werden. Weltweiter Terrorismus, Kollaps der Finanzmärkte, Cyberkriminalität, Flüchtlings- und Migrationsbewegungen, Klimawandel, Verlust an Identität und kultureller Verwurzelung … Der Stichworte sind genug, die uns die Kehrseite der Globalisierung, ihre Unwägbarkeiten und Risiken vor Augen führen.

Welche Zielvorstellungen können uns helfen, das Zusammenleben von bald 7,5 Milliarden Menschen auf der Erdkugel sinnvoll, gerecht und verträglich zu gestalten? Mit ihren Bildern und Visionen ist die Bibel nicht nur für Juden und Christen, sondern für die ganze Menschheit ein kostbarer Schatz der Weisheit und Inspiration, der Hoffnung und Verheissung. Im letzten Teil des Buches des Propheten Jesaja finden sich Texte, die das Volk Israel empfänglich machen wollen für jenen einzigartigen, utopischen Gott, der ganz fern und doch immer und überall da und ganz nah ist. Es sind Texte, die das auserwählte Volk sensibilisieren möchten für seine Mission, dass es nämlich berufen ist, «alle Völker» am Heil teilhaben zu lassen. Da tut sich eine Weite auf, die uns etwas von Ewigkeit und Vollendung ahnen lässt. «Von Osten und Westen, von Norden und Süden», wie Jesus sich ausdrückt. Er blickt zurück zu den Vätern Israels, Abraham, Isaak und Jakob, und gleichzeitig schaut er erwartungsvoll in die Zukunft, auf das Schlussbouquet, das Bankett im Reich Gottes, zu dem «die Völker aller Sprachen» eingeladen sind.

Das sind traumhafte Vorstellungen, die wir uns nicht ausreden lassen dürfen durch ein diesseitiges, rein innerweltliches, letztlich steriles Verständnis von Globalisierung, das sich beschränkt auf Nützlichkeit und Rendite. Die vom jüdisch-christlichen Glauben geprägte Perspektive muss präsent bleiben in der weltweiten Diskussion über die Wohltaten und die Gefährlichkeit der Globalisierung. Gott ist sowohl Garant der Unendlichkeit als auch «Vater der Waisen und Anwalt der Witwen» (Psalm 68). Gott muss zu Wort kommen, wenn es um die Zukunft des Menschen und der Menschheit geht. Wir sind verantwortlich, dass seine Stimme vernehmbar bleibt und sein Lob niemals verstummt: «Lobet den Herrn, alle Völker!» (Psalm 117).

Abt Peter von Sury

 

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