Ausgabe 12, 14. bis 20. März 2015

Es soll bis zum Tod oder darüber hinaus halten, das Liebesschloss. (Foto: Thomas Max Müller/pixelio.de) Es soll bis zum Tod oder darüber hinaus halten, das Liebesschloss. (Foto: Thomas Max Müller/pixelio.de)


 

Markus 14,3–9
Als Jesus in Betanien im Haus Simons des Aussätzigen bei Tisch war, kam eine Frau mit einem Alabastergefäss voll echtem, kostbarem Nardenöl, zerbrach es und goss das Öl über sein Haar. Einige aber wurden unwillig und sagten zueinander: Wozu diese Verschwendung? Man hätte das Öl um mehr als dreihundert Denare verkaufen und das Geld den Armen geben können. Und sie machten der Frau heftige Vorwürfe. Jesus aber sagte: Hört auf! Warum lasst ihr sie nicht in Ruhe? Sie hat ein gutes Werk an mir getan. Denn die Armen habt ihr immer bei euch und ihr könnt ihnen Gutes tun, so oft ihr wollt; mich aber habt ihr nicht immer. Sie hat getan, was sie konnte. Sie hat im Voraus meinen Leib für das Begräbnis gesalbt. Amen, ich sage euch: Überall auf der Welt, wo das Evangelium verkündet wird, wird man sich an sie erinnern und erzählen, was sie getan hat.

(Einheitsübersetzung)

«Es ist was es ist, sagt die Liebe»

An sie wird man sich erinnern und erzählen wird man, was sie getan hat? Von wegen! Die am meisten verbreitete Erinnerung bezieht sich auf eine ganz andere Episode, von der Lukas berichtet (7,36–50). Dort dringt eine ebenfalls namentlich nicht genannte Sünderin bis in den Speisesaal des Pharisäers Simon vor. Mehr kriechend als gehend nähert sie sich Jesus, der dort gerade zu Gast weilt, wirft sich ihm zu Füssen, bricht in Tränen aus, trocknet seine Füsse mit ihrem langen Haar und salbt sie, wie eine Dienstmagd ihren Hausherrn salbte. An sie vor allem wird man sich in der Folge erinnern. Und ihr schon bald den Namen einer anderen Frau überstülpen, nämlich den der Maria aus Magdala. Diese Letztere wird so mit einer Vergangenheit ausgestattet, die gar nicht die ihre war!

Markus hingegen berichtet, wie Jesus im Hause des ehemals Aussätzigen Simon zu Tisch sitzt. Und wieder ist es eine Frau, die Jesus mit kostbarstem Öl salbt, aber nicht seine Füsse, sondern sein Haar.

Der Unwille, den einige der Anwesenden angesichts dieser angeblichen Verschwendung bekunden, scheint irgendwie verständlich. Nur haben die überhaupt nicht verstanden, wozu Liebe fähig ist.

Vor längerer Zeit hat mir eine Frau erzählt, dass sie ihren Geliebten nie heiraten werde. Der Grund? Weil sie und ihr Partner in der Kirche gefragt würden, ob sie einander treu bleiben wollten, «bis der Tod euch scheidet». «Ich aber», sagte sie, «liebe doch für die Ewigkeit! Für immer und ewig will ich meinem Partner verbunden bleiben.»

«Sie hat mich für den Tag meines Begräbnisses gesalbt», rechtfertigt Jesus die Liebesgeste der Frau, der offenbar keine Kostbarkeit zu gross war, um ihm ihre Zuwendung kundzutun. Liebe, das liegt in ihrer Natur, zielt immer aufs Ganze; sie fragt nicht, ob man sich etwas leisten dürfe oder ob man mit dem damit verbundenen Aufwand Nützlicheres tun könnte – oder müsste (wie einige der anwesenden Gäste argumentieren). Wie sähe unsere Welt aus, wenn wir uns jede Freude versagen würden im Hinblick auf die Not der anderen? Glück und Unglück lassen sich nun einmal nicht gegeneinander verrechnen. Das zeigen gerade jene Menschen, die durchaus bereit sind, noch Ärmere zu unterstützen – aber auch sich selber bei besonderen Gelegenheiten einmal etwas zu gönnen. 

Liebe macht nicht blind. Liebe macht erfinderisch. Deshalb bleibt die Logik oft auf der Strecke, wenn die Liebe im Spiel ist. Zum Glück, worauf Erich Fried in einem seiner bekanntesten Gedichte hinweist: Es ist Unsinn, sagt die Vernunft. Es ist was es ist, sagt die Liebe ... Es ist unmöglich, sagt die Erfahrung. Es ist was es ist, sagt die Liebe. 

Josef Imbach

 

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