Ausgabe 26, 22. bis 28. Juni 2013

In den Worten der Bibel offenbart sich Gott selbst. Sein Fleisch gewordenes Wort, Christus, ist gegenwärtig in der Lesung des Evangeliums. (Foto: KNA-Bild)In den Worten der Bibel offenbart sich Gott selbst. Sein Fleisch gewordenes Wort, Christus, ist gegenwärtig in der Lesung des Evangeliums. (Foto: KNA-Bild)


 

Amos 2,4
So spricht JHWH:
Wegen der drei Vergehen Judas,
und wegen der vier,
nehme ich es nicht zurück …
Spruch JHWHs

Micha 3,5
So spricht JHWH
über die Propheten, die mein Volk in die Irre führen:
Haben ihre Zähne etwas zu beissen,
rufen sie: «Frieden»! …

2 Kön 22,14f
Der König sagt: Geht und befragt JHWH …
Da sprach die Prophetin Hulda:
So spricht JHWH:
Sagt dem Mann, der euch zu mir gesandt hat:
So spricht JHWH:
Siehe, ich bringe Unheil über diesen Ort
und seine Bewohner …


Das eine Wort und unsere vielen Worte

Wenn ich durch die Stadt gehe, sehe ich immer wieder Menschen mit Mobiltelefonen. Sie reden dauernd vor sich hin. Gelegentlich fühle ich mich angesprochen, aber diese Menschen sehen andere, die ihnen begegnen, gar nicht mehr, sie reden nur mit unsichtbaren Personen. Häufig muss ich mir im Zug lange und laute Gespräche über unsägliche Banalitäten anhören, es kann sehr störend sein. – Es gibt auch Menschen, die man zwar ganz gut mag, die aber viel und gerne reden und die übrigen gar nicht mehr zu Wort kommen lassen. So wird viel Überflüssiges gesagt, manchmal ist es gar Geschwätz! Wer hätte sich darüber nicht schon geärgert?

Ganz anders ist es mit dem Wort, das Propheten und Prophetinnen verkünden. Sie berufen sich ja darauf, dass sie nicht im eigenen, sondern im Namen Gottes sprechen. Biblische Prophetensprüche sind normalerweise eingeleitet mit: «So spricht JHWH …», oder: «Höret dieses Wort», und am Schluss findet sich häufig die Formel «Spruch/Wort JHWHs». Um die Wichtigkeit ihrer Botschaft zu unterstreichen sind so gut wie alle echten Prophetenworte poetisch-rhythmisch abgefasst. Das soll ihre Wichtigkeit, ihren Wert betonen. Jeremia muss sogar einmal eine Schriftrolle essen. Das meint in der oft krassen biblischen Symbolik, dass er sich Gottes Wort ganz einverleiben muss als ein «Lebensmittel», ein Mittel zum wirklichen Leben.

Propheten und Prophetinnen reden nicht im eigenen Namen, sie machen nicht viele Worte, sondern sie verkünden das Wort. Alle Einzelsprüche, die sie verkünden, sind Teil dieses Wortes Gottes. Dieses ist so zentral, dass wir im Apostolischen Glaubensbekenntnis regelmässig sprechen: «Ich glaube an den Heiligen Geist, der gesprochen hat durch die Propheten». Ihre Botschaft ist somit nicht nur für das sogenannte Alte Testament bestimmt, sondern geht auch uns heute an. Die prägnanten Einleitungsformeln wollen unsere Aufmerksamkeit wecken und uns bewusst machen, dass etwas ganz Zentrales, für unser Leben Wichtiges, folgt. Darum antworten wir auch nach der Lesung mit «Wort des lebendigen Gottes». Es sind nicht «Worte», wie wir sie gerne machen, sondern was da vorgetragen wurde, ist Teil des einen und unteilbaren Wortes Gottes. Mich bedrückt es, dass dies häufig nicht mehr ernst genommen wird. Gelegentlich ist auch nach der Lesung zu hören: «Worte des lebendigen Gottes». Es geht hier nicht um einen Buchstaben mehr oder weniger, sondern um den Sinn: «Worte», wie wir sie machen, sind etwas ganz anderes als das Wort, das wir aus der Bibel vernehmen. Dass vor allem das Wort Gottes in der Bibel Jesu, das wir «Altes Testament» nennen, heute eine so schlechte Konjunktur hat, empfinde ich als Skandal.

Am Anfang hat Gott durch sein Wort alles geschaffen (Gen 1), und Johannes beginnt sein Evangelium bewusst mit der Bezugnahme auf den Anfang der Welt mit dem Satz: «Im Anfang war das Wort …». Dieses Wort ist so wichtig, dass es in der Person Jesu Gestalt annimmt. Der Logos, das Wort, wird Fleisch (Joh 1,14).

Helen Schüngel-Straumann

 

ZUM THEMA

  • Pastoralraum an strömendem Wasser

    Ein grosser Schritt im Prozess der Bildung der Pastoralräume im Kanton Baselland: Am Sonntag, 17. Juni, errichtet Bischof Felix Gmür in Liestal den Pastoralraum Frenke-Ergolz. >> mehr...

  • Begleitung für Schwerkranke

    Für die spirituelle und menschliche Begleitung von Chronisch- und Schwerkranken und ihren Angehörigen stehen bei der ökumenischen Fachstelle Palliative Care Baselland ein Dutzend freiwillige Begleitpersonen für Einsätze bereit. >> mehr...

 

Kirche heute
Innere Margarethenstrasse 26, 4051 Basel, Tel. 061 363 01 70, sekretariat@kirche-heute.ch