Ausgabe 14, 31. März bis 6. April 2012

Freude über das werdende Leben mischt sich mit Sorge. (Foto: KNA-Bild)Freude über das werdende Leben mischt sich mit Sorge. (Foto: KNA-Bild)



GENESIS 25,19–28
Dies ist die Geschichte der Kinder Isaaks, des Sohnes Abrahams, den Abraham bekommen hatte. Und Isaak war 40 Jahre alt, als er die Rebekka heiratete, die Tochter des Aramäers Betuël aus dem aramäischen Mesopotamien, die Schwester des Aramäers Laban. Isaak musste aber bei Adonaj Fürbitte halten für seine Frau, denn sie bekam keine Kinder. Adonaj liess sich von ihm erbitten, und seine Frau Rebekka wurde schwanger. Doch dann schlugen sich die Kinder in ihrem Leib und sie sagte: «Wenn das so ist, wozu bin ich dann da?» Und so ging sie hin, Adonaj zu befragen. Und Adonaj sagte ihr: «Zwei Völker sind in deinem Leib, zwei Nationen trennen sich bereits in deinem Schoss. Eine Nation ist der anderen überlegen, und der Ältere wird für den Jüngeren arbeiten.»

Als dann die Zeit der Geburt kam, siehe, da waren Zwillinge in ihrem Leib. Und der erste kam heraus – rötlich und ganz behaart wie mit einem Prachtgewand. Und sie nannten ihn Esau. Dann kam sein Bruder, und dessen Hand hielt die Ferse Esaus umklammert und erhielt den Namen Jakob. Isaak war 60 Jahre alt, als sie geboren wurden.

Als die Jungen heranwuchsen, wurde Esau ein kundiger Jäger, ein Mann des freien Feldes. Jakob aber war ein anständiger Mann, er blieb bei den Zelten. Isaak nun gewann Esau lieb, denn Wildbret war nach seinem Geschmack. Doch Rebekka liebte den Jakob.

(Übersetzung: Bibel in gerechter Sprache)


Was tun, wenn nicht alles in Ordnung ist?

Kinder verändern das Leben der Eltern. Auch keine Kinder bekommen zu wollen oder zu können hat Konsequenzen. Das Thema Kinderlosigkeit ist ein Thema, über das viel geschwiegen, an dem aber auch viel gelitten und Geld verdient wird. In der Bibel spielt es immer wieder eine Rolle. Rebekka etwa, eine der Ahnfrauen des Volkes Israels, braucht die Fürsprache ihres Mannes. Mit diesem kurzen Satz ist das Problem aber auch schon abgehandelt. Von dem Erbitten bis zum Erfüllen vergehen allerdings 20 Jahre! Eine lange Zeit des Wartens, des Hoffens – und der Schuldgefühle. 

Es ist klar, dass in der Bibel aufgrund gesellschaftlicher Vorstellungen eigentlich immer die Frau unfruchtbar ist. Ob es heute noch so ist, dass sich eher Frauen betroffen fühlen? Aber auch für Männer ist es sicher schwierig, mit dem Faktum der Zeugungsunfähigkeit umzugehen. Wie sind Rebekka und Isaak mit diesem Warten umgegangen? Hielt ihre Liebe das aus? Veränderte sie sich unter diesem Vorzeichen? 

Wir erfahren aus der Erzählung, dass die Verbindung zwischen den beiden zwar erst arrangiert, dann aber von Liebe getragen wurde. Isaak gewann Rebekka lieb, sobald er sie sah, heisst es. Nach einer Zeit der Kinderlosigkeit wird sie dann zwar schwanger, aber es gibt Komplikationen. Rebecca spürt, dass etwas nicht so ganz in Ordnung ist und sucht Hilfe. Heutzutage wird pränatale Diagnostik angewendet, auch ohne irgendwelche Problemanzeigen. Es geht darum, sicher sein zu können, dass alles in Ordnung ist. Schwierige Entscheidungen sind damit verbunden. Was, wenn nicht alles in Ordnung ist? Oder wenn die Sicherheit 80 Prozent beträgt? Oder nur 60? Welche Konsequenzen hat solches Wissen für die Betroffenen, für deren Beziehung? 

Rebekka geht zu einem Orakel. Sie wendet sich direkt an Gott, wohlgemerkt nicht mit ihrem Mann, der für sie bei Gott um Kinder gebeten hat. Rebecca hört von Gott selbst die Weissagung: Es sind Zwillinge, die schon jetzt miteinander um den Vorrang streiten, was sich im Leben fortsetzen wird. Rebekka wollte es wissen, und nun? Ihr Leben wäre wahrscheinlich anders verlaufen ohne dieses Wissen, denn sie entscheidet sich dafür, alles zu tun um diese Verheissung wahr werden zu lassen und ohne Isaak davon zu erzählen.

Wissen hat seinen Preis
Mit der Geburt beginnt eine Entfremdung zwischen dem Paar, die schliesslich in einem Betrug endet, der zwar letztlich Jakob zu seinem Vorrang verhilft, aber seinen Preis hat. An dem Tag, als Jakob zu dem Erstgeborenensegen kommt, verliert Rebekka ihre Söhne. Der eine muss fliehen, mit dem anderen wechselt sie kein Wort mehr. Überhaupt bleibt sie ab jetzt stumm und die Geschichte geht weiter als Geschichte Jakobs.
Welchen Preis zahlen wir heute für unser Wissen, etwa in der Schwangerschaftsdiagnostik? Und wie gehen wir mit der Kinder­losigkeit um, deren Behandlung von den Paaren einen hohen Einsatz fordert?

Kerstin Rödiger

 

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