Ausgabe 4, 21. bis 27. Januar 2012

Täglich tun Menschen Gutes, indem sie ihr Geld dafür einsetzen. (Foto: Alois Schuler)Täglich tun Menschen Gutes, indem sie ihr Geld dafür einsetzen. (Foto: Alois Schuler)

2 KÖNIGE 4,8–10
Eines Tages ging Elischa nach Schunem. Dort lebte eine vornehme Frau, die ihn dringend bat, bei ihr zu essen. Seither kehrte er zum Essen bei ihr ein, sooft er vorbeikam. Sie aber sagte zu ihrem Mann: «Ich weiss, dass dieser Mann, der ständig bei uns vorbeikommt, ein heiliger Gottesmann ist. Wir wollen ein kleines, gemauertes Obergemach herrichten und dort ein Bett, einen Tisch, einen Stuhl und einen Leuchter für ihn bereitstellen. Wenn er dann zu uns kommt, kann er sich dorthin zurückziehen.»

Wohltäterinnen bilden eine spezielle Art von Menschen

Wieder eine Namenlose. Keine gute Hexe wie die Totenbeschwörerin von En Dor, sondern eine «vornehme Frau», was immer das heissen mag. Sicher war sie reich, lebte mit ihrem ebenfalls namenlosen Mann in Schunem, im Norden Israels. Sie gehört zu jenen Leuten, die zum Glück bis heute nicht ausgestorben sind und die es hoffentlich auch in Zukunft geben wird. «Wohltäter», in der Kirche und ausserhalb. Was wären die unzähligen gemeinnützigen Organisationen und Institutionen, Vereine und Bewegungen ohne sie? Es braucht die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer, es braucht die ordentlich bezahlten Haupt- und Nebenamtlichen, es braucht die Professionellen und Freiwilligen. Und es braucht jene, die das alles finanziell ermöglichen. Grosse Spenden, kleine Spenden, Legate, Stiftungen, bar in die Hand oder im Couvert zugesteckt, im Testament vermerkt oder durch Überweisung aufs Konto. Wohltat, ein schönes Wort. Sie erachten es als eine Ehre und als ihre Pflicht, nicht in die eigene Tasche zu wirtschaften, sondern in die eigene Tasche zu langen. Mit Geld kann man nämlich Gutes tun. «Macht euch Freunde mit dem ungerechten Mammon», lehrte unser Heiland. Ach, wenn doch die Abzocker von heute sich davon eine Scheibe abschneiden würden. Während ich die Weihnachtspost verdankte, konnte ich in Ruhe darüber nachdenken, wie unverzichtbar die Wohltäter sind, auch für unser Kloster.

Reden wir von den Wohltäterinnen. Sie bilden eine spezielle Art von Menschen, gerade auch im Volk Gottes. Eine von ihnen ist die vornehme Frau von Schunem, vor zweitausendsiebenhundert Jahren. Von ihr ist eine wunderbare Begebenheit überliefert, rundum wohltuend. Und so menschlich. Sie spürte, dass Elischa, der Nachfolger des grossen Propheten Elija, «ein heiliger Gottesmann» war. Sie empfand für ihn offenbar grossen Respekt und Bewunderung. Eine praktisch veranlagte Verehrerin, die wusste, dass auch Gottesmänner essen und schlafen müssen. So wurde Elischa ihr regelmässiger Gast und sie seine selbstlose Förderin. Andere stricken Socken, backen Kuchen. Sie heissen Martha, oder Lydia, die Purpurhändlerin aus Thyatira, oder Maria Magdalene, Johanna, Susanna. «Sie alle unterstützten Jesus und die Jünger mit dem, was sie besassen» (Lk 8,2f). Ohne Hintergedanken, ohne Aufdringlichkeit, ohne Gegengeschäft. Einfach so, echt vornehm. Sie lassen sich ihre Sympathie etwas kosten. Die Schunemiterin überzeugt ihren Mann, ihr Haus um ein Studio zu erweitern. Wahrlich, keine Kleinigkeit. Sie stellt es dem Wanderprediger zur Verfügung. Elischa benötigte nämlich «ein Bett, einen Tisch, einen Stuhl, einen Leuchter … Wenn er dann zu uns kommt, kann er sich dorthin zurückziehen». Wie tut es gut, bei solchen Menschen einkehren zu dürfen. Elischa wird ihr Hauskaplan. Es entsteht daraus zwar eine verwickelte Beziehung mit einer dramatischen Wendung. Nachzulesen im 2. Buch der Könige, 4,8–37. Doch Ende gut, alles gut. Steht auch im 2. Buch der Könige, 8,1–6. Die Bibel ist ein tolles Buch, da steht so vieles drin.

Abt Peter von Sury, Mariastein



2 Könige 8,1–6
Elischa sagte zu der Frau, deren Sohn er zum Leben erweckt hatte: Mach dich auf, zieh mit deiner Familie fort und halte dich irgendwo in der Fremde auf; denn der Herr hat eine Hungersnot verhängt. Da machte sich die Frau auf den Weg und tat, was ihr der Gottesmann geraten hatte. Sie zog mit ihren Angehörigen fort und hielt sich sieben Jahre im Land der Philister auf. Nach Ablauf von sieben Jahren kehrte sie aus dem Land der Philister zurück und ging zum König, um wegen ihres Hauses und ihrer Felder seine Hilfe zu erbitten. Der König war gerade im Gespräch mit Gehasi, dem Diener des Gottesmannes, und hatte ihn aufgefordert: Erzähl mir alles Grosse, das Elischa vollbracht hat. Während dieser dem König erzählte, wie Elischa den Toten zum Leben erweckt hatte, kam die Frau, um die Hilfe des Königs zu erbitten. Da sagte Gehasi: Das, mein Herr und König, ist die Frau und das ist ihr Sohn, den Elischa zum Leben erweckt hat. Nun fragte der König die Frau selbst und sie erzählte ihm alles. Darauf gab ihr der König einen Beamten mit und trug ihm auf: Verschaff ihr alles wieder, was ihr gehört, auch den ganzen Ertrag ihrer Felder von dem Tag an, da sie das Land verlassen hat, bis heute.

 

ZUM THEMA

  • Begleitung für Schwerkranke

    Für die spirituelle und menschliche Begleitung von Chronisch- und Schwerkranken und ihren Angehörigen stehen bei der ökumenischen Fachstelle Palliative Care Baselland ein Dutzend freiwillige Begleitpersonen für Einsätze bereit. >> mehr...

  • Flüchtlingssonntag: «Zum Wohl der Stadt»

    Zum Flüchtlingssonntag und Flüchtlingssabbat vom 16./17. Juni haben die christlichen Kirchen und die Jüdische Gemeinschaft der Schweiz einen Aufruf unter dem Titel «Zum Wohl der Stadt» an die Bevölkerung gerichtet. Eingeleitet wird der Aufruf mit Versen aus dem Buch des Propheten Jeremia (Kapitel 29, Verse 4–7). >> mehr...

 

Kirche heute
Innere Margarethenstrasse 26, 4051 Basel, Tel. 061 363 01 70, sekretariat@kirche-heute.ch