Ausgabe 40-42, 30. September bis 20. Oktober 2017

Bischof Robert Miranda leitet die Diözese Gulbarga im Süden Indiens seit ihrer Gründung vor zwölf Jahren. (Foto: © Missio, Sylvie Roman)Bischof Robert Miranda leitet die Diözese Gulbarga im Süden Indiens seit ihrer Gründung vor zwölf Jahren. (Foto: © Missio, Sylvie Roman)

«Was wir tun, tun wir für die Menschen»

Zum Weltmissionssonntag vom 22. Oktober: Einblick in die indische Diözese Gulbarga

Erst vor zwölf Jahren wurde die Diözese Gulbarga im Süden Indiens gegründet. Einer der ersten Missionare war Robert Miranda. Heute ist er ihr Bischof. Im Monat der Weltmission stehen Bischof Miranda und seine Diözese im Zentrum.

«Die Kirche orientiert sich immer am Dienst an den Menschen», erklärt Bischof Robert Miranda, ein ruhiger und bescheidener Mann. Er ist nicht nur der erste Bischof des Bistums, sondern auch ihr erster Missionar. Zweifel kamen in ihm auf, als ihn sein Heimatbischof im 1000 km entfernten Mangalore als Missionar nach Gulbarga schicken wollte. Gerade erst vier Jahre war er Priester und hatte keine Erfahrung mit Mission.
Nach einer Zeit der Entscheidung sagte er schliesslich zu und machte sich 1982 in eine ungewisse Zukunft auf.

Wahrnehmen der Bedürfnisse
Der Auftrag des Bischofs für den Beginn war klar: «Während des ersten Jahres tust du nichts und lässt den Ort auf dich wirken. Schau einfach, was die Leute brauchen.» Mit offenen Augen und Ohren lernte er die Kultur kennen und wie die Menschen dort miteinander leben. Denn eine Mission braucht einfach Zeit, keinen Aktionismus.

Vier katholische Familien lebten bereits dort. Ihre Arbeit hatte sie dorthin gebracht. Etwa 20 Personen kamen anfangs zum Gottesdienst am Sonntag. Sie lebten in einer extremen Minderheitensituation. «Am Anfang war es sehr schwierig», erinnert sich Bischof Miranda an die Anfänge, «weil wir niemanden kannten.» Das änderte sich aber schnell. «Wir gingen hinaus, grüssten die Leute, sagten ‹Namaste› und stellten uns vor. Das war alles.»

Aus dem Nachbarbistum holten sich die ersten Missionare Rat, was sie tun sollen und was nicht. «Gebt den Leuten nichts», riet man ihnen «auch wenn sie in einer Notlage sind, und fangt nicht an zu taufen. Wir haben diesen Fehler über längere Zeit gemacht.» Sie sollten sich auf den Glauben konzentrieren und schauen, wie sie sich in den Dienst an den Menschen stellen konnten. Sie sollten nicht als Angestellte einer Hilfsorganisation wahrgenommen werden. Auch sollte ihre Arbeit nicht als Anbiederung missverstanden werden.

Dienst für alle Menschen
An Bischof Miranda wird deutlich, wie sehr die Kirche in seinem Bistum am Dienst an den Menschen orientiert ist: «Der Dienst ist der Ausgangspunkt, von dem alles ausgeht.» Viele Einrichtungen in kirchlicher Trägerschaft stehen allen Menschen offen: So das Mutter-Teresa-Spital, ein Entzugsprogramm für Alkoholabhängige, Sozialeinrichtungen und die vielen Internate und Schulen. «Die Menschen sehen, dass wir keine persönlichen Interessen haben. Was wir tun, tun wir für die Menschen. Das wird sehr geschätzt.» Und die Bewohner stellen fest, dass nur die katholische Kirche solches leistet. So werden zum Beispiel die HIV-positiven Kinder von ihren Familien wie Leprakranke verstossen, aber in einem Heim der katholischen Kirche aufgenommen. «Das ist es, was die Leute sehen.»

Eine junge Diözese
Mindestens eine halbe Million Einwohner hat die Stadt Gulbarga im Süden Indiens. Innerhalb von drei Jahrzehnten ist aus einer Gemeinschaft von vier katholischen Familien eine Diözese entstanden mit rund 8000 Gläubigen. In der Diözese sind rund 60 Priester und über 200 Ordensfrauen tätig. Mit der Kollekte vom Weltmissionssonntag wird ihr Dienst an den Menschen unterstützt.

Über der Kirche in Indien schwebt aber das Damoklesschwert der hinduistischen Zentralregierung. Diese versucht, den Hinduismus mit Indien gleichzusetzen und beginnt den säkularen Staat zu untergraben. Christenfeindliche Tendenzen nehmen zu, obwohl die Mehrheit der Hindus religiös durchaus offen ist.
In diesem Kontext muss die Kirche sehr behutsam und weitsichtig agieren, wenn sie den Weg der Evangelisierung als zentrales Anliegen weiterhin beschreiten will. Sie will eine Kirche der Armen für die Armen bleiben.

Siegfried Ostermann, Missio


Aufruf der Schweizer Bischofskonferenz für den Weltmissionssonntag

Auf der ganzen Welt feiern die Katholikinnen und Katholiken am vorletzten Sonntag im Oktober den Sonntag der Weltmission. Es ist ein Fest, an dem wir uns erneut bewusst werden, dass wir Teil einer grossen, weltweiten Kirchenfamilie sind, in der wir füreinander beten, wo wir uns über die Landes- und Kulturgrenzen kennenlernen, und wo wir auch miteinander solidarisch sind und unsere Güter teilen.

In seiner Botschaft zum Weltmissionssonntag sagt uns Papst Franziskus: «Die Päpstlichen Missionswerke (Missio) sind ein wertvolles Instrument, wenn es darum geht, in allen christlichen Gemeinden den Wunsch zu wecken, die eigenen Grenzen und die eigenen Sicherheiten zu überschreiten und aufzubrechen, um allen Menschen das Evangelium zu verkünden.» Missio unterstützt sie dabei, diesen Elan aufzunehmen. Inspiriert durch die Kirche in Indien, schlägt ihnen Missio eine Vertiefung des Leitgedankens «Gesendet von Gott, für die Menschen» vor, die mitten ins Herz unserer Mission weist.

Missio ist in mehr als 120 Ländern präsent. Sie ist das Organ der Kirche, welches damit beauftragt ist, den Ortskirchen in der ganzen Welt die nötigen Mittel für ihre Entfaltung zur Verfügung zu stellen. Missio hat die nötige Kompetenz, weil sie die Bedürfnisse der Diözesen der Welt kennt und die Mittel aus dem Solidaritätsfonds verantwortungsvoll einsetzt. Dank Ihrer Grosszügigkeit erfahren 1108 finanziell noch nicht unabhängige Diözesen Unterstützung und können damit ihre pastoralen und seelsorgerlichen Projekte umsetzen.

Die Schweizer Bischöfe rufen alle Gläubigen in unserem Land dazu auf, die Kollekte des Weltmissionssonntags grosszügig zu unterstützen.

Freiburg, im September 2017
DDr. Charles Morerod OP, Bischof von Lausanne, Genf und Freiburg, Präsident der SBK
Abt Jean Scarcella CRSM, Abt von Saint-Maurice, Dikasterium Mission


 

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