Ausgabe 33, 12. bis 18. August 2017

Der stille und grüne Innenhof ist ein beliebter Treffpunkt für Studierende. (Foto: Urs Buess)Der stille und grüne Innenhof ist ein beliebter Treffpunkt für Studierende. (Foto: Urs Buess)

Begehrt für Studierende aus aller Welt

Seit 50 Jahren betreibt die Katholische Universitätsgemeinde ein Wohnheim

Im Oktober feiert das Katholische Studentenhaus an der Herbergsgasse seinen 50. Geburtstag. Zwar drängen sich einige Renovationsarbeiten auf, doch die Institution begeht das Jubiläum in jugendlicher Frische und ist attraktiv wie eh und je.

Es gibt durchaus einen Grund, warum eine der Seitenstrassen des Petersgrabens Herbergsgasse heisst. 400 Jahre lang – und zwar bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts – stand dort ein Haus, das Pilgern und mittellosen Menschen Unterschlupf bot. Seit 1967 setzt eine andere Liegenschaft die Tradition fort, Menschen aus der ganzen Welt ein Dach über dem Kopf zu bieten: das Katholische Studentenhaus. Aber es geht nicht einfach um ein Dach über dem Kopf – das Studentenhaus bietet mehr. Es ist für über 70 Studierende ein vorübergehendes Zuhause mit Einzelzimmern, Gemeinschaftsküchen, Gemeinschafts-, Musik- und Leseräumen, Cafeteria, Innenhof, mit einer Fachbibliothek mit 15 000 Büchern philosophischen und theologischen Hintergrunds und einem Ort der Stille und Andacht – einer Kapelle.

Die nüchterne, weisse Fassade lässt nicht erahnen, wie begehrt der Ort ist. Cornelia Jansen, die Leiterin des Wohnheims, kann sich zeitweise des Ansturms auf die Zimmer kaum erwehren. Neigt sich ein Semester seinem Ende zu und ein neues kündet sich an, strömen Anfragen aus aller Welt herein. Etwas mehr als 70 Plätze sind zu vergeben, und wer ein Zimmer hat, gibt es so schnell nicht wieder her. Die Wartelisten sind lang. Deshalb gilt als klare Regel, dass man nicht länger als fünf Jahre im Studentenhaus wohnen darf. Allerdings reizen längst nicht alle diese Frist aus, viele studieren nur zwei, drei Semester in Basel, besonders Studentinnen und Studenten aus dem Ausland. Das Zimmer kostet 440 Franken pro Monat, und in dieser Miete inbegriffen ist der Zugang zu allen Gemeinschaftsräumen. Sieben bis achtzehn Bewohner und Bewohnerinnen teilen jeweils eine Etage, benutzen gemeinsam Küche und Bad. Es sind zufällige Wohngemeinschaften, die da entstehen, und in denen sich Beziehungen entwickeln, die oft weit über die Studienzeit hinausreichen.

Ökumenisch – keine Leerformel
Das Gemeinschaftsleben zu fördern, das ist ein grosses Anliegen von Pater Jiri Obruca SJ, dem Leiter des Studentenhauses und der Katholischen Universitätsgemeinde. Er wirkt seit einem Jahr in Basel und organisiert neben seiner seelsorgerischen Tätigkeit an der Universität nicht nur Gottesdienste, Meditationsanlässe, Exerzitien oder Gesprächsrunden, sondern auch Ausflüge, Workshops zu psychologischen oder anderen lebenskundlichen Fragen und Musikabende. Zusammen mit Cornelia Jansen stellte er Kochabende und andere kulinarische Entdeckungsreisen zusammen. «Wir arbeiten ökumenisch» – dieser Grundsatz ist keine Leerformel, wie die Belegung des Hauses zeigt. Von den zurzeit 73 Bewohnerinnen und Bewohnern sind 39 katholisch und 16 reformiert. Die übrigen gehören anderen Religionen an (orthodox, Islam, Hinduismus). Die Mehrheit kommt aus dem Ausland, 31 aus der Schweiz. Es sind 41 Frauen und 32 Männer.

Wenn das Studentenhaus nun seinen 50. feiert, so gilt dieser runde Geburtstag in erster Linie für das Gebäude und insbesondere für das Wohnheim. Die Institution «Studentenhaus» ist schon einige Jahre älter. Lange Zeit gab es im protestantischen Basel keine oder nur wenig Orte, wo sich die katholische Jugend treffen konnte. Ende des 19. Jahrhundert wurde am Byfangweg das Borromäum eingeweiht. Es war Aufenthaltsort und Domizil für katholische Lehrlinge, aber auch für Studenten. Um 1930 beauftragte dann der Bischof von Basel auf Wunsch von katholischen Akademikern die Jesuiten, speziell für die rund 230 katholischen Studenten eine Seelsorgestelle einzurichten. Der Jesuitenorden war damals in der Schweiz verboten (bis 1973), weshalb ebenfalls im Jahre 1936 der Augustinusverein zur Förderung der Studentenseelsorge gegründet wurde. Ihm gehörten Leute aus akademischen Berufen, Dozierende der Universität oder Altakademiker an, die nicht Jesuiten waren und deshalb problemlos die Trägerschaft des Studentenhauses übernehmen konnten.

Mietertrag subventioniert Wohnheim
Der Augustinusverein erwarb 1937 eine klassizistische Villa an der Herbergsgasse, in der er die Katholische Universitätsgemeinde (KUG) mit der Studentenseelsorge einquartierte. Als der Verein 1957 eine angrenzende Liegenschaft kaufen konnte, entstand die Idee, die beiden Gebäude abzureissen und in einem Neubau nicht nur Räumlichkeiten für die KUG einzurichten, sondern auch ein Wohnheim mit über 70 Zimmern bereitzustellen. In der Überbauung vermietet der Verein fünfzehn Wohnungen und drei Läden und dazu die Plätze einer grösseren Tiefgarage. Mit dem Ertrag subventioniert er die Wohnheimzimmer. Für die Renovierung der Liegenschaft startet der Augustinusverein unter der Leitung von Thomas Petitjean demnächst eine Sammelaktion, da der Ersatz der Sanitär- und Elektroleitungen das Budget sprengt.

Während der Augustinusverein als Hausbesitzer für die Immobilie zuständig ist, unterstützt die 1957 konstituierte «Vereinigung der Freunde des katholischen Studentenhauses» die Infrastruktur – etwa wenn neue Matratzen angeschafft werden müssen oder Geschirr und dergleichen mehr. Unterstützt wird das Studentenhaus und die Universitätsgemeinde auch von der Römisch-Katholischen Kirche Basel-Stadt.

Urs Buess

 

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