Ausgabe 21, 20. bis 26. Mai 2017

Im vollständig golden bemalten Raum der Ausstellung im Antikenmuseum dominiert der Mythos der Königin von Saba. (Foto: © Ruedi Habegger, Antikenmuseum Basel und Sammlung Ludwig)Im vollständig golden bemalten Raum der Ausstellung im Antikenmuseum dominiert der Mythos der Königin von Saba. (Foto: © Ruedi Habegger, Antikenmuseum Basel und Sammlung Ludwig)

Flüchtig wie ein Duft

Über das antike Südarabien ist kaum etwas bekannt. Eine Ausstellung in Basel spielt mit dem Mythos

Wer – ohne dass seine Existenz bewiesen ist – noch nach Tausenden von Jahren die Fantasie der Menschen bewegt und als Aufhänger für eine Ausstellung dient, hat es wohl geschafft. Die Rede ist von der Königin von Saba. Die Ausstellung im Antikenmuseum Basel beschäftigt sich mit der «Felix Arabia» – dem glücklichen Arabien.

Die Bibel, der Koran, das altägyptische Kebra Negest – drei Texte beschreiben unterschiedliche Facetten der Königin von Saba. Keiner der Texte liefert historisch belastbare Fakten, und dennoch oder vielleicht gerade deswegen lesen sich die Berichte über die Königin von Saba, ihren immensen Reichtum und ihr Treffen mit dem weisen König Salomon wie Idealdarstellungen.

Zwischen Realität und Mythos
Die Fantasie ist es denn auch, die beflügelt werden soll. «Ähnlich wie im Krieg von Troja, bei der Gründung Roms oder bei der Entdeckung der letzten Thule, werden wir nie genau wissen, was diese Überlieferungen reflektieren (…). Das ist ja auch nicht der Sinn dieser idealen Parallelwelten (…). In dieser Ausstellung interessiert uns die Metaebene zwischen Realität und Mythos», heisst es im Vorwort zum Begleitheft der Ausstellung.

Den Grundstein für die Balance zwischen Mythos und Realität legt der erste Raum: Hier finden sich die biblische Überlieferung zur Königin von Saba und eine entsprechende Sure aus dem Koran. Auf diesen aufbauend präsentieren die Ausstellungsmacher im vollständig golden bemalten Raum verschiedene Adaptionen des Themas. Eine äthiopische Tüchleinmalerei, Kupferstiche, Ölgemälde, ein Kinoplakat. Daneben flimmern Yul Brunner und Gina Lollobrigida als Shebe und Salomon über zwei Bildschirme.

In den weiteren Abteilungen der Ausstellung folgt die Realität. Historisch gesichert ist ein Königtum von Saba, das auf dem Gebiet des heutigen Jemen entstand, erst ab dem 7. Jahrhundert vor Christus, während die biblische Chronologie das Treffen mit Salomon, welches sonst nirgends erwähnt wird, bereits ins 10. Jahrhundert vor Christus datiert. Rund 300 Jahre, bevor die entsprechenden biblischen Texte überhaupt geschrieben wurden. Für eine Königin von Saba fehlen jegliche Fakten. Altsüdarabische und assyrische Quellen beschreiben wohl den Aufstieg Sabas zu einer zentralen Macht im Jemen für den Zeitraum vom 9. bis 7. Jahrhundert. Ein König von Saba wird erstmals in Quellen aus dem 8. beziehungsweise 7. Jahrhundert vor Christus erwähnt.

Besonders durch die Erzählungen griechischer und römischer Autoren, die ein punktuelles Interesse an dem sagenhaften Reichtum des fernen Landes hatten, wissen wir von verschiedenen Sachverhalten im antiken Südarabien, nicht zuletzt von den kostbaren Aromen, die von dort herstammten und die für die Kommunikation mit den Göttern von Wichtigkeit waren. Der Handel mit Weihrauch und Myrrhe, den wichtigsten Erzeugnissen, führte zum sagenhaften Reichtum und durch die antiken Autoren letztlich zur Erfindung der «Arabia Felix», des «glücklichen Arabiens».

Reisende, die Neugier und Abenteuerlust miteinander verbanden, machten sich immer wieder auf den Weg nach Südarabien. Seien es frühe Individualreisende, wie der österreichische Orientalist und Astronom Eduard Glaser Ende des 19. Jahrhunderts oder der Völkerkundler Carl August Rathjens, der ab 1927 das Land bereiste und später die ersten offiziell genehmigten, systematischen Ausgrabungen durchführen durfte: das Material, Fotos oder auch Tagebücher, ist teilweise bis auf den heutigen Tag nicht vollständig ausgewertet und in verschiedenen Sammlungen verstreut.

Fesselnde Kunstfertigkeit
Was in Basel gezeigt wird, erscheint wenig – die Ausstellung ist klein und fein – doch die Kunstfertigkeit, die sich in den Gegenständen aus Alabaster, Bronze oder Kalkstein zeigt, ist fesselnd. Zahlreiche Weihrauchbrenner sind zu sehen. Ebenso Votivtafeln mit feiner Schrift oder Grabplatten, Reliefs oder kleine Figuren. Immer wiederkehrende Motive aus unterschiedlicher Künstlerhand. Doch wer diese Alltagskunst geschaffen hat, erfährt man nicht. Auch über den Totenkult oder die Religion Altsüdarabiens erfährt man kaum etwas. Die Kenntnis darüber, so heisst es an einer Stelle in der Ausstellung, sei mangelhaft. Und so beflügelt die Betrachtung der ausgestellten Gegenstände die Fantasie. Das «glückliche Arabien» schillert sichtbar zwischen Mythos und Realität, wie die Königin von Saba.

Anne Burgmer

www.antikenmuseumbasel.ch

Führungen und Vortrag

Die Sonderausstellung «Glückliches Arabien? Mythos und Realität im Reich der Königin von Saba» im Basler Antikenmuseum dauert noch bis zum 2. Juli. Führungen gibt es am Sonntag um 11.15 Uhr und am Donnerstag um 18 Uhr (Anmeldung unter Tel. 061 201 12 12). Als Teil des Rahmenprogramms findet am Mittwoch, 24. Mai, 18. 15 Uhr, ein Vortrag zum Thema «Dokumente aus Holz und Stein. Schriftkultur im antiken Südarabien» statt. Referent ist PD Dr. Peter Stein von der Theologischen Fakultät der Friedrich Schiller Universität in Jena.

 

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