Ausgabe 8-9, 18. Februar bis 3. März 2017

Heinrich Bedford-Strohm, Vorsitzender des Rats der Evangelischen Kirche in Deutschland, im Gespräch mit Papst Franziskus. Mit dabei sind auch die Kardinäle Reinhard Marx (1.v.l.), Vorsitzender  der Deutschen Bischofskonferenz, und Kurt Koch (3.v.l.), Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen.(Foto: KNA-Bild) Heinrich Bedford-Strohm, Vorsitzender des Rats der Evangelischen Kirche in Deutschland, im Gespräch mit Papst Franziskus. Mit dabei sind auch die Kardinäle Reinhard Marx (1.v.l.), Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, und Kurt Koch (3.v.l.), Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen.(Foto: KNA-Bild)

In der Ökumene voranschreiten

Spitze der Evangelischen Kirche in Deutschland beim Papst

Papst Franziskus hat den Vorsitzenden des Rats der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, zu einer Audienz im Vatikan empfangen. Das gemeinsame Reformationsgedenken biete die Gelegenheit, einen weiteren Schritt vorwärts zu tun, sagte der Papst.

Papst Franziskus forderte eine «Intensivierung des theologischen Dialogs», um die weiter bestehenden Differenzen in Glaubenslehre und Ethik zu überwinden. Er würdigte Bedford-Strohm in seiner sonst auf Italienisch vorgetragenen Rede auf Deutsch als «Mann mit Feuer im Herzen».

Der EKD-Ratsvorsitzende sprach anschliessend von einer «sehr herzlichen Begegnung», die «weit über den formellen Austausch von Reden hinaus» gegangen sei. Kardinal Reinhard Marx, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Bedford-Strohm begleitet hatte, erklärte vor Journalisten in Rom, von dem Treffen gehe ein «starker Rückenwind» für das ökumenische Gespräch in Deutschland aus. Der EKD-Ratsvorsitzende sprach in der Audienz nach eigenen Angaben auch ein gemeinsames Abendmahl für katholisch-evangelische Paare an. Er und Marx betonten, dass der theologische Dialog über diese Frage verstärkt werden müsse.

Bedford-Strohm regte auch einen vertieften Dialog über die Bedeutung der Taufe an, um in der Ökumene voranzukommen. «Die Teilhabe am Taufsakrament bildet für alle Christen ein unlösbares Band», sagte der oberste Repräsentant der deutschen Protestanten vor dem katholischen Kirchenoberhaupt.

Bedford-Strohm zeigte sich besonders erfreut darüber, dass der Papst in seiner Rede von einer «versöhnten Verschiedenheit» von Katholiken und Protestanten gesprochen habe. Damit habe er deutlich gemacht, dass niemand Angst vor einer Grosskirche haben müsse, «in der die einen verschluckt werden» und ihre kostbaren Traditionen verlören. Franziskus sagte weiter, er sei dankbar, dass Protestanten und Katholiken in Deutschland anlässlich des Reformationsgedenkens einen bedeutenden gemeinsamen Akt der Busse und Versöhnung am 11. März in Hildesheim vollzögen. Er äusserte die Hoffnung, der ­ökumenische Gottesdienst sowie die wei­teren Initiativen von EKD und Deutscher ­Bischofskonferenz könnten Impulse sein, um noch rascher auf dem Weg voranzukommen.
In seiner Rede würdigte der Papst den ökumenischen Dialog zwischen Protestanten und Katholiken in Deutschland als «segensreichen Weg des geschwisterlichen Miteinanders». Es gelte nun mit Besonnenheit und inständigem Gebet «die noch bestehenden Hindernisse zu überwinden», sagte Franziskus. Zugleich forderte er eine Stärkung der praktischen Zusammenarbeit zwischen EKD und Deutscher Bischofskonferenz für Notleidende und Umwelt.

Der Besuch fand statt im «Luther-Gedenkjahr», das an den Auftakt der Reformation vor 500 Jahren erinnert. Bedford-Strohm und Marx luden den Papst nach Deutschland ein. Eine Antwort habe Franziskus nicht gegeben, «aber er hat uns wohlwollend angeschaut», sagte der Vorsitzende der Bischofskonferenz.

kath.ch/cic


 

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