Ausgabe 7, 11. bis 17. Februar 2017

Nicht jede Ehe hält ewig. (Foto: Timo Klostermeier/pixelio.de) Nicht jede Ehe hält ewig. (Foto: Timo Klostermeier/pixelio.de)

Offene Türen für Wiederverheiratete

Deutsche Bischöfe legen «Amoris laetitia» weit aus

Im Streit um den Kommunionempfang für wiederverheiratete Geschiedene in der katholischen Kirche sind die deutschen Bischöfe für eine grössere Öffnung in begründeten Einzelfällen. Die Schweizer Bischöfe werden sich mit der praktischen Umsetzung von «Amoris laetitia» Anfang März befassen.

«Eine Entscheidung für den Sakramentenempfang gilt es zu respektieren», heisst es in dem mit Spannung erwarteten Bischofswort zum Papstschreiben «Amoris laetitia», das die Deutsche Bischofskonferenz am 1. Februar veröffentlicht hat. Im internationalen Vergleich liefern die deutschen Bischöfe damit eine relativ weit gefasste Auslegung des heftig diskutierten Papstschreibens zur Bischofssynode zu Ehe und Familie. Allerdings betonen sie auch, dass es keinen Automatismus in Richtung einer generellen Zulassung aller zivilrechtlich wiederverheiratet Geschiedenen zu den Sakramenten gebe. Der Gewissensentscheidung müssten eine ernsthafte Prüfung und ein von einem Seelsorger begleiteter geistlicher Prozess vorausgehen.

Die deutschen Bischöfe betonen, dass die Unauflöslichkeit der Ehe zum unverzichtbaren Glaubensgut der Kirche gehöre. Zugleich aber fordere der Papst den differenzierenden Blick auf die Lebenssituationen. Niemand dürfe auf ewig verurteilt werden. Das Papstschreiben bleibe daher nicht beim irreversiblen Ausschluss von den Sakramenten stehen, betonen die Bischöfe. Differenzierte Lösungen müssten dem Einzelfall gerecht werden und dann zum Tragen kommen, wenn die Ehe nicht annulliert werden kann. Die deutschen Bischöfe kündigen ausserdem neue Wege zur intensiveren Ehevorbereitung und Ehebegleitung an.

Bisher sind Katholiken, die nach einer Scheidung erneut zivil heiraten, vom Empfang der Kommunion ausgeschlossen, sofern sie nicht enthaltsam leben. Hintergrund ist die auf das Neue Testament zurückgehende kirchliche Lehre von der Unauflöslichkeit der Ehe. Seit der Veröffentlichung von «Amoris laetitia» im April 2016 gibt es heftige Debatten über den Kommunionempfang für wiederverheiratete Geschiedene. Konservative Katholiken meinen, der Papst setze mit einer Öffnung nicht nur die Unauflöslichkeit der Ehe aufs Spiel, sondern letztlich die gesamte Lehre und Einheit der Kirche.

Papst Franziskus hat bisher nicht direkt auf Forderungen reagiert, sein Schreiben zu präzisieren und eine eindeutige und einheitliche Regelung festzuschreiben. Mehrfach betonte er, es sei wichtig, Einzelfälle genau zu unterscheiden. Auch deutete er an, er wolle nationalen Bischofskonferenzen mehr Freiräume lassen, um Regelungen zu finden, die die jeweilige Situation in ihren Ländern berücksichtigen. Seitdem hat es in verschiedenen Ländern unterschiedlich weit gefasste Auslegungen gegeben.

Die Schweizer Bischofskonferenz (SBK) hat für die praktische Umsetzung des päpstlichen Schreibens eine interne Studientagung angekündigt. Diese wird am 9. März stattfinden. Gemäss SBK-Sprecher Walter Müller werden an der Tagung nebst den Bischöfen auch Experten aus der Familienpastoral und der diözesanen Fachstellen teilnehmen.

kath.ch/kh

 

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