Ausgabe 27-29, 30. Juni bis 20. Juli 2018

Warum die Ökumene stockt

Papst Franziskus hat in seinen Ansprachen beim Weltkirchenrat in Genf ein Bekenntnis zum Ziel der Einheit der christlichen Kirchen abgegeben. Der Papst hat bekräftigt, was schon das II. Vatikanische Konzil 1964 festgestellt hatte: Die Spaltung widerspreche dem Willen Christi. Darum sagt er auch, die ökumenische Bewegung sei vom Heiligen Geist erweckt. Am 70. Jahrestag des Ökumenischen Rates der Kirchen wünschte sich Franziskus stärkere Schritte: «Gemeinsam gehen, gemeinsam beten, gemeinsam arbeiten.» 

Praktische Schritte vorwärts auf dem Weg zu diesem Ziel scheinen von seinem Besuch aber nicht auszugehen. Zu stark sind offensichtlich auf der Ebene der Kirchenleitungen die Bremsklötze. Es bleibt dabei: Wie die Angehörigen der verschiedenen Konfessionen im kirchlichen Alltag miteinander umgehen, bestimmen sie weitgehend selber. In den Gemeinden kommt dabei den Seelsorgerinnen und Seelsorgern grosse Bedeutung zu. Auch einzelne Kirchenmitglieder, die sich besonders für die Gemeinsamkeit mit den Mitchristen der anderen Bekenntnisse einsetzen, prägen die Atmosphäre. Gut so! Vieles ist bei uns möglich geworden, weil kirchlich Engagierte zu ihrer ökumenischen Überzeugung stehen. So wirken zurzeit die verbissenen Auseinandersetzungen innerhalb der deutschen Bischofskonferenz um die Zulassung nichtkatholischer Ehepartner zur Kommunion für Schweizer Verhältnisse geradezu lebensfremd. 

Wer hierzulande ökumenische Gemeinsamkeit wünscht, verwirklicht sie in seinem Lebensumfeld und wartet nicht auf Erlaubnis von oben. Immerhin: Im Bistum Basel hat die Bistumsleitung seit 50 Jahren viele ökumenische Bestrebungen ermöglicht und mitgetragen – angefangen bei Bischof Anton Hänggi, der sein Amt 1968 unter dem Wahlspruch «Ut unum sint» (dass sie eins seien) angetreten hatte. Und wer sich heute auf katholischer Seite für Ökumene engagiert, darf sich durch die Worte von Franziskus in Genf bestätigt fühlen. 

Die wahre Sorge liegt eher darin, dass Ökumene bei jungen Menschen kaum mehr ein Thema ist. Es sieht so aus, dass dieser Bewegung der Schwung und die Begeisterung abhanden
kommen. Reformierte und katholische Kirchen sehen sich heute in einer zunehmend unreligiösen Welt vielfach den gleichen, grossen Herausforderungen gegenüber. Vielleicht ist es die nötige Rückbesinnung auf das, was den Kern des Christentums ausmacht, was unsere Kirchen zusammenführen wird.

Christian von Arx

 

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