Ausgabe 11, 10. bis 16. März 2018

Papstbesuch gilt der Ökumene

«Fratelli e sorelle, buona sera!» Fünf Jahre sind es her, seit Jorge Mario Bergoglio sich am 13. März 2013 vom Balkon des Petersdoms aus mit diesen Worten als neuer Papst an die Welt gewandt hat. Mit diesem einfachen Gruss gab Franziskus den Ton vor, dem er seither treu geblieben ist: Direkt und natürlich, von Mensch zu Mensch. Den Menschen zugewandt, weniger den Büchern.

Vielleicht ist es vor allem dieser Ton, der bewirkt hat, dass der argentinische Papst so viele Sympathien gewonnen hat. Der Ton passt zu seiner Botschaft, dass die Kirche eine Kirche der Armen sein muss. Was immer Franziskus anpackt, sagt und tut: Man glaubt zu verstehen, was er will. Man billigt ihm zu, das Gute zu wollen. Allein damit hat er für seine Kirche viel erreicht. Ihr Einfluss auf die Menschen beruht ja nicht auf Macht und Geld, sondern auf dem Vertrauen, dass sie sich für das Gute einsetzt. 

In fünf Jahren im Amt hat der Papst den frischen Ton seines damaligen «buona sera» behalten. Auch auf einer Reihe heikler Ausland­reisen ist er sich treu geblieben. So wie Franziskus das Amt des Bischofs von Rom ausfüllt, wird es auch ausserhalb der Kirche respektiert. 

Nun also steht im Juni der erste Besuch von Papst Franziskus in der Schweiz bevor. Es ist allerdings nicht ein Hirtenbesuch bei der Kirche in der Schweiz, sondern eine Art Staatsbesuch beim Weltkirchenrat in unserer internationalen Stadt Genf. Wir sind uns bewusst, dass die Schweiz für die römische Weltkirche ein kleines Gebiet ist, und zudem konfessionell gemischt. Gerade in der Ökumene aber ist sie stark und verfügt über Erfahrungen, die wir Schweizer vielleicht oft selbst nicht genug schätzen. 

Gerade erst hat uns das Europäische Taizé-Jugendtreffen vom Neujahr in Basel das ins Bewusstsein gerufen: «Es gibt wenige Orte in der Schweiz und in Europa, wo ökumenisch schon so viel läuft wie Basel», hatte Frère Richard von Taizé damals festgestellt. Mit Kardinal Kurt Koch hat Papst Benedikt vor acht Jahren einen Schweizer als «Ökumeneminister» des Vatikans eingesetzt, Papst Franziskus hat diese Wahl bestätigt. Und das protestantisch geprägte Genf ist der Sitz des Ökumenischen Rates der Kirchen.

Es scheint, dass die Ökumene in ganz besonderem Mass zur Bestimmung der Christen in der Schweiz gehört. In diesem Sinn gilt der Besuch des Papstes in Genf durchaus auch einer Eigenheit der Kirchen in unserem Land. Man darf gespannt sein, ob es Franziskus gelingen wird, mit seiner natürlichen, direkten Art auch der Ökumene einen positiven Impuls zu geben.

Christian von Arx

 

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