Ausgabe 40-42, 30. September bis 20. Oktober 2017

Vorfreude auf Taizé

Christian von Arx.

«Bonum est confidere in Domino, bonum sperare in Domino» – so sangen Frauen und Männer vor zwei Wochen im Dom von Arlesheim zur Errichtung des neuen Pastoralraums Birstal. Ich hörte und sang die Melodie zum ersten Mal, und sie hat auf Anhieb etwas in mir angesprochen. Ein Taizé-Lied, ganz leicht ab Blatt zu singen, eingängig und doch gehaltvoll. Man muss nicht Latein können, Vertrauen und Hoffnung übertragen sich aus der Melodie ohne Umweg direkt in die Brust.

Nichts erfüllt das Bedürfnis nach Gemeinschaft leichter und natürlicher als gemeinsames Singen. Es ist nicht schlimm, wenn man ­einen Ton nicht trifft oder sich im Text verirrt – seine Stimme einzubringen in einen Chor, löst ein kleines Glücksgefühl aus. Es ist nun mal so: Ob ich die Teilnahme an einer Feier als geglückt empfinde, hängt auch davon ab, ob in der Kirche Lieder angestimmt werden, die ich gern singe. Kein Wunder, gibt die Auswahl der Lieder im Nachhinein oft Anlass zu Kommen­taren auf dem Kirchenplatz.

Schon oft habe ich mich gefragt, warum in so vielen unserer Kirchenlieder von Elend und Not geklagt wird. Unser Leben als «Jammertal»! Sind wir Katholiken in der Schweiz wirklich ein so hart geschlagenes Kirchenvolk? Mir kommen Bilder von Gottesdiensten mit Afrikanern oder Afroamerikanern in den Sinn, geprägt von Gesängen voller Freude und Begeisterung. Grund zum Klagen haben sie kaum weniger als wir. Aber bei ihnen sind auch die Klagelieder mitreissende Gemeinschaftserlebnisse. Und ist es nicht so, dass wir gerade in Trauer und Bedrücktheit Lieder von Zuversicht und Hoffnung brauchen? Ist das vielleicht ein Grund, dass die Benediktiner von Mariastein feststellen, ihre Klosterkirche sei immer voll, wenn Schweizer Folklore geboten werde? Denn auch da wird das Gemüt angesprochen.

«Bonum est confidere in Domino, bonum sperare in Domino» – auf Deutsch: «Gut ist es, auf den Herrn zu vertrauen, gut ist es, zu hoffen auf den Herrn». Hoffnung und Vertrauen: Gibt es etwas Stärkeres, was ein Gottesdienst den Teilnehmerinnen und Teilnehmern vermitteln kann? Lieder können das. Ich setze Hoffnung darauf, dass die Lieder der Gemeinschaft von Taizé zur Belebung unseres Kirchenlied­gutes beitragen. Besonders darum freue ich mich schon auf das Europäische Jugendtreffen von Taizé in Basel vom 28. Dezember bis 1. Januar. Vielleicht schauen Sie dann auch mal rein und singen mit?

Christian von Arx

 

ZUM THEMA

  • Wer nachdenkt und handelt, der lässt sich formen

    «Wir sind der Ton und du bist unser Töpfer, wir alle sind das Werk deiner Hände.» Möchten wir das? Sagt uns dieses Bild zu? Möchten wir uns formen lassen wie Wachs? Von Gott, dem Töpfer, der Töpferin? Dieses Bild scheint uns auf den ersten Blick zu willenlosen Objekten zu machen. Aber es ist mehr als das, es geht tiefer. >> mehr...

  • Aktion Sternsingen 2018: Viele Kinder in Indien müssen arbeiten

    Die Aktion Sternsingen 2018 thematisiert ausbeuterische Kinderarbeit in Indien. Das Beispielprojekt zeigt, dass es einen Ausweg aus dem Kreislauf der Kinderarbeit gibt. Und die Sternsingerinnen und Sternsinger machen sich dafür stark. >> mehr...

 

Kirche heute
Innere Margarethenstrasse 26, 4051 Basel, Tel. 061 363 01 70, sekretariat@kirche-heute.ch