Ausgabe 21, 20. bis 26. Mai 2017

Lauter Männerzirkel

Urs Buess.Urs Buess.

Es ist gut und gerne dreissig Jahre her, als eine junge Journalistin an der Redaktionssitzung einer Basler Zeitung vorschlug, eine Reportage über den Liestaler Banntag zu schreiben. Die Redaktion bestand überwiegend aus Männern, und zwar aus Männern, die die Gepflogenheiten der Region und insbesondere auch des Liestaler Banntags kannten. Sie kicherten und tuschelten über den Vorschlag der unbedarften Kollegin. Sie war erst kurz zuvor nach Basel gezogen und wusste nicht, dass der Anlass eine reine Männersache war. Alle freuten sich auf den Montag, wenn das «blonde Dummerchen» dann in Liestal im Pulverdampf der Vorderlader stehen und barsch darauf hingewiesen werden würde, dass sie an diesem Banntag nichts zu suchen habe. Man stellte sich vor, wie ihr Gesicht lang und länger würde.

Es kam anders: Ein paar aufgeschlossene Männer in einer der vier Rotten nahmen die Reporterin in ihre Mitte und liessen sie mitmarschieren. Sie war eine der ersten Frauen – und möglicherweise bis zum heutigen Tag eine der einzigen –, die am Liestaler Banntag mitwandern durfte. Sie schrieb die Reportage «Männerzug aus Frauensicht», und nun machten die Redaktionskollegen lange Gesichter.

Das Männerbollwerk in Liestal besteht noch immer. Aber wer sich jetzt über diese Männertümelei auf dem Lande lustig machen will, soll ganz schön mal stillehalten. Wie war doch die Empörung gross, als die Basler Grossrätin Sarah Wyss kürzlich verlangte, sie wolle dafür kämpfen, dass die Frauen auch Zutritt zu den städtischen Zünften haben sollen, und zwar zu allen. Das hat einigen weltgewandten und sich modern wähnenden Männern in der Stadt die Laune ganz gehörig verdorben.

Doch es ist nicht nur das Weltbild der ewiggestrigen Landschäftler oder der abgehobenen und verstaubten Zünfter, die sich die Frauen vom Hals halten wollen. Kürzlich erzählte die Rockbassistin Salome Buser in einem Interview mit der «bz Basel», dass auch die Schweizer Musikszene eine ziemlich ausschliessliche Männerwelt sei. Man habe ihr vor Konzerten, an denen sie den Bass hätte spielen sollen, auch schon mal den Zutritt zu den Garderoben verwehren wollen. Man liess sie dann trotzdem ein, weil Bass mit einem Rock immer noch besser ist als Rock ohne Bass.

Man könnte die Liste der unzeitgemässen Männerzirkel, die keine Frauen reinlassen, ­beliebig verlängern. Aber – hols der Kuckuck! – jetzt sind wir mit dieser Kolumne im ka-
tholischen Pfarrblatt unten an der Seite angelangt. Ausgerechnet jetzt, wo es heikel werden könnte …

Urs Buess, Redaktor

 

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