Ausgabe 15, 8. bis 14. April 2017

Neuland

Regula Vogt-Kohler

Neuland – unter diesem Titel wollen die Hilfswerke Fastenopfer, Brot für alle und Partner sein im Rahmen der Ökumenischen Kampagne ein Zeichen setzen ­gegen Land Grabbing, das den einheimischen Bäuerinnen und Bauern den Boden und damit die ­Lebensgrundlage raubt. In vielen Pfarreien haben Kinder, Jugendliche und ­Erwachsene Beete ­bepflanzt und damit symbolisch Neuland geschaffen. Überall in der Schweiz stehen nun in Kirchen Kisten, in denen Blumen, Gemüse und Kräuter wachsen.

Bereits seit 1969 führen das katholische Fastenopfer und das reformierte Brot für alle während der vorösterlichen Fastenzeit eine gemeinsame Kampagne durch, seit 1994 ist auch das christkatholische Hilfswerk Partner sein mit dabei. Diese Kooperation der Hilfswerke ist nur eines von vielen Beispielen konkreter Ökumene, die auf verschiedenen Ebenen gelebt wird, sei es im ökumenisch geführten Religionsunterricht, in ökumenisch getragenen Institutionen oder ökumenischen Gottesdiensten.

Ein ganz besonders bemerkenswertes Beispiel ökumenischen Engagements sind Anlässe zum Gedenken an die Reformation, die vor bald 500 Jahren mit der Publikation von Martin Luthers Thesen zum Ablasshandel ihren Anfang nahm. Es ist das erste Reformationsjubiläum, an dem auch die Katholiken beteiligt sind. Nicht unbedingt feiernd und schon gar nicht jubilierend, aber in gemeinsamer Erinnerung an ein epochales Ereignis, das nicht nur die Geschichte der Kirche über Jahrhunderte geprägt hat.

Die feierlich-positive Stimmung vermag nicht zu überdecken, dass der Umgang mit der Trennung noch immer schwierig ist. Von Ökumene ist zwar viel die Rede, aber gerade dies deutet darauf hin, dass es irgendwie nicht wirklich vorwärts zu gehen scheint. In dieser Diagnose waren sich auch die Teilnehmenden eines Podiums am ökumenischen Gedenkanlass in Zug jedenfalls einig.

Es stellt sich dabei aber nicht nur die Frage, wie es weitergehen soll, sondern auch wohin genau. Was meinen die Katholiken, was die ­Reformierten, wenn sie von Einheit sprechen? Eines ist klar: Das Rad der Zeit lässt sich nicht zurückdrehen, ein Neuanfang auf dem Stand von vor der Reformation ist nicht möglich.

Der griechische Philosoph Heraklit sagte es im 6. Jahrhundert vor Christus so: «Man kann nicht zweimal in denselben Fluss steigen.» Das heisst nichts anderes, als dass auch die Ökumene Neuland bepflanzen muss.

Regula Vogt-Kohler, Redaktorin

 

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