Ausgabe 12, 18. bis 24. März 2017

Abenteuer Lebensabend

Urs Buess.Urs Buess.

Während wir die Lustbarkeiten und Narreteien der Fasnacht und Vorfasnacht genossen, versuchten Politikerinnen und Politiker in Bern mit grosser Ernsthaftigkeit, aber auch mit Tricks und Finten und was sonst noch alles zum Politbetrieb gehört, die Zukunft der Altersvorsorge zu regeln. Man hat das im fasnächtlichen Trubel gar nicht richtig mitbekommen. Die Laternen waren zu farbig, die Schnitzelbänke zu lustig, die Piccolos und Trommeln zu laut.

Beim Schreiben dieser Zeilen ist noch nicht klar, ob die Rentenreform überhaupt zustande kommt. Klar ist aber, dass mit oder ohne Reform das goldene Rentenzeitalter vorbei ist. Vorbei der Traum, dass man nach der Pension mit 70 Prozent des bisherigen Einkommens die Tage bis zum Lebensende geniessen, Weltreisen, Kreuzfahrten, kostspielige Hobbys, Tagesausflüge und dergleichen planen kann. In den letzten 30 Jahren war das für viele möglich, doch unterdessen haben die Pensionskassen längst begonnen, die Renten zu kürzen, und werden es noch viel drastischer tun.

Dafür gibt es viele Gründe: Es gibt im Vergleich zu den Erwerbstätigen immer mehr Rentner. Die Solidarität zwischen denen, die genug und mehr als genug haben, und denen, die knapp durchkommen, schwindet so sehr wie die Solidarität zwischen den Generationen. Zudem ist es für die Rentenkassen schwieriger geworden, Vorsorgegelder anzulegen.

Die Mehrheit der künftigen Rentner wird sich materiell bescheiden müssen. Der dritte Lebensabschnitt dürfte weniger komfortabel sein, als es die Pensionskassen und Lebensversicherer die ganze Zeit verheissen haben. Länger im Arbeitsleben zu verweilen, wie das etwa als Lösung propagiert wird, ist nur wenigen möglich.

Was nun? Verzweifeln? Schimpfen? Bedenklich wäre, wenn die künftige Rentnergeneration wegen der schlechteren Aussichten nun einfach verbittert mit dem Schicksal hadern würde. Vielmehr braucht es neue Ideen, Impulse, Eigeninitiativen, um das Potenzial an Erfahrung und Wissen und Energie, das in der künftigen Rentnergeneration steckt, zu mobilisieren – für sich selbst, aber vielleicht auch zum Nutzen für die ganze Gesellschaft. Das dritte Lebensalter braucht neue Perspektiven, um die Tage und Jahre mit Inhalten und Sinn zu füllen. Darüber haben Sie sich, liebe Leserinnen und Leser, möglicherweise auch schon Gedanken gemacht. Doch was für welche? Teilen Sie sie uns mit: urs.buess@kirche-heute.ch – wir berichten, was an Ideen und Vorschlägen aus der Leserschaft zusammengekommen ist.

Urs Buess, Redaktor

 

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