Ausgabe 33, 11. bis 17. August 2018

Barfuss am Strand lässt sich die Schöpfung unter den Füssen spüren. (Foto: filorosso.de – Manfred Gerber/pixelio.de)Barfuss am Strand lässt sich die Schöpfung unter den Füssen spüren. (Foto: filorosso.de – Manfred Gerber/pixelio.de)

Tastend die Schöpfung begreifen

Der Tastsinn steht im Zentrum der diesjährigen SchöpfungsZeit (1. September bis 4. Oktober)

Der Tastsinn ermöglicht es uns, die Umwelt mit Händen und Füssen zu erkunden. «Wer die Schöpfung ‹be-greift›, stösst auf die in den Dingen liegende göttliche Wirklichkeit», schreibt die Fachstelle des Vereins «oeku Kirche und Umwelt» zur SchöpfungsZeit, die am 1. September beginnt.

Kleine Kinder entdecken die Welt in ihren Lebenswochen hauptsächlich über den Tastsinn. Mit ihren Händchen und vor allem ihrem Mund erfahren sie, wie sich die Dinge in ihrer Umgebung, aber auch wie sie selbst sich anfühlen. Der Tastsinn entwickelt sich schon früh im Mutterleib und ist bei der Geburt der am weitesten entwickelte Sinn des neuen Erdenbürgers. Am Ende unseres irdischen Daseins erlischt er als letzter. Ohne Tastsinn geht gar nichts. «Ohne Tastsinn gibt es kein Leben», hält Martin Grunwald, Leiter des Haptik-Forschungslabors an der Universität Leipzig in einem Interview mit dem Online-Wissenschaftsportal spektrum.de fest.

Nicht nur Kinder müssen Dinge be-greifen, um sie zu verstehen oder zu glauben. Wie oft hört man oder sagt man «Das glaube ich erst, wenn ich es in den Händen halte.» Davon erzählt uns beispielsweise die Geschichte des ungläubigen Thomas (Joh 20,19–29): «… und wenn ich meinen Finger nicht in die Male der Nägel und meine Hand nicht in seine Seite lege, glaube ich nicht.» Von der zentralen Bedeutung des Tastsinns zeugt auch diese Bibelstelle (Apg 17,27): Sie sollten Gott suchen, ob sie ihn ertasten und finden könnten; denn keinem von uns ist er fern.

Dieses Bibelzitat ist einer der Leitsätze der Kampagne von oeku zur diesjährigen SchöpfungZeit, die am 1. September anfängt und am 4. Oktober, dem Gedenktag des heiligen Franziskus von Assisi zu Ende geht. In der Themenreihe fünf Sinne ist nach dem Hör- und dem Geruchssinn in diesem Jahr der Tastsinn dran. Dabei geht es auch darum, wie wichtig körperliche Berührungen für uns sind. Es ist ein Aspekt, der in einem Zeitalter, in dem vieles auf einer rein virtuellen Ebene stattfindet, manchmal etwas vergessen geht. Etwas spüren kann man nur in direktem Kontakt über die Haut.

«Über die Haut nehmen wir Lust und Schmerz, Wärme und Kälte, körperliche Nähe und Distanz wahr. Schöpfung und menschliche Kontakte werden in der Bibel sinnenfällig dargestellt» schreibt oeku dazu. «Alle Lebewesen haben eine Haut, sind von der Schöpfung umgeben und auf die Gaben der Schöpfung angewiesen: Saubere Luft und sauberes Wasser, gesunde Nahrungsmittel, Schutz vor Wärme und Kälte. Kirchen und Kirchgemeinden machen den Menschen mit ihren Gottesdiensten, ihrem diakonischen und schöpfungsorientierten Engagement Gottes umfassende und berührende Liebe bewusst und geben sie weiter.»

Gelegenheit, die Schöpfung unter den nackten Füssen zu spüren, gibt es zum ökumenischen Auftakt der SchöpfungsZeit am Freitag, 31. August, 18 Uhr beim Kneipp-Pfad Hotel Eden in Rheinfelden.

Regula Vogt-Kohler

 

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