Ausgabe 16, 14. bis 20. April 2018

Der monumentale Flügelaltar aus Santa Maria im Calancatal ist das Prunkstück der Ausstellung «Glaubenswelten des Mittelalters» im Chor der Basler Barfüsserkirche. (Foto: Regula Vogt-Kohler)Der monumentale Flügelaltar aus Santa Maria im Calancatal ist das Prunkstück der Ausstellung «Glaubenswelten des Mittelalters» im Chor der Basler Barfüsserkirche. (Foto: Regula Vogt-Kohler)

Einblicke in Allgegenwart des christlichen Glaubens

Sakrale Kunst aus dem Mittelalter im neu eingerichteten Chor der Basler Barfüsserkirche

Vom prachtvollen Altar über Palmesel bis zu Heiligen für alle Fälle: Bildwerke aus dem 11. bis 16. Jahrhundert zeigen, wie damals die Kirche das tägliche Leben prägte. Die vor Ostern eröffnete Ausstellung «Glaubenswelten des Mittelalters» ist der erste Teil einer Gesamterneuerung der Sammlungspräsentation in der Basler Barfüsserkirche.

Er steht vorne im Chor der ehemaligen Klosterkirche des Franziskanerordens im Zentrum: der prachtvolle Flügelaltar, den die Basler aus dem Calancatal, dem anderen Ende der Schweiz, ans Rheinknie geholt haben. Das Altarwerk ist 1512 in der der südschwäbischen Werkstattgemeinschaft Strigel entstanden und war in Basler Augen ein geeignetes Objekt, um sich im Rennen um den Sitz des Nationalmuseums in Position zu bringen. «In Staubsaugermentalität» seien die Museumsjäger damals durchs Land gezogen, formulierte es Marc Fehlmann, Direktor des Historischen Museums Basel, beim Medienrundgang vor der Eröffnung des neueingerichteten Chors in der Barfüsserkirche.

So ist denn der Marienaltar aus dem Bündner Südtal bei Weitem nicht das einzige Objekt in der Ausstellung «Glaubenswelten des Mittelalters», das nicht Basler Herkunft ist. Aus Kreuzlingen am Bodensee stammt der um 1500 geschnitzte Palmesel mit einem gekrönten Jesus auf dem Rücken. «Palmesel sind sehr selten!», betonte der Museumsdirektor. Die eindrückliche Figur eines segnenden Christus kam aus dem schwyzerischen Steinen in die Nordwestschweiz. Eine C14-Untersuchung hat ergeben, dass das dafür verwendete Pappelholz 1168 geschlagen worden ist. Da die Schnitzer das Holz maximal 25 Jahre lagerten, ist davon auszugehen, dass das Werk Ende des 12. Jahrhunderts noch in der Zeit der Romanik entstand und damit viel älter als gedacht ist.

Die knapp 50 ausgestellten Werke, teils aus dem eigenen Bestand, teils Leihgaben aus öffentlichen und privaten Sammlungen, sind Zeugnisse der Alltagsfrömmigkeit und des Heiligenkultes. Die Ausstellung erschliesse Zusammenhänge und religiöse Werte, die vielleicht in unserer vorwiegend konfessionslos gewordenen Gesellschaft fremd geworden seien, heisst es in einer Medienmitteilung des Museums. Das hat auch Auswirkungen auf die Gestaltung der Ausstellung. Die Beschriftungen sind bewusst einfach gehalten. In einer Zeit, in der fast 50 Prozent der Basler nicht mehr einer Landeskirche angehörten, müsse man das Christentum wieder erklären, erläuterte Fehlmann.

«Glaubenswelten des Mittelalters» ist als Dauerausstellung konzipiert, soll sich aber nicht 20 Jahre gleich präsentieren. Dank dynamischer Lösungen für Sockel und Vitrinen seien neue Kombinationen viel einfacher möglich, sagte Marc Fehlmann. «Rochaden helfen, dass auch das Stammpublikum immer wieder kommt.»

Regula Vogt-Kohler

www.hmb.ch

 

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