Ausgabe 46, 11. bis 17. November 2017

Besuch in der ökumenischen Kirche Flüh: Frère Alois (rechts), Prior der Gemeinschaft von Taizé,  mit Helmut Zimmerli-Menzi (links), Präsident der Evangelisch-reformierten Kirchgemeinde, und Geri Stöcklin, Präsident des Römisch-katholischen Pastoralraumteams Solothurnisches Leimental. (Foto: Christian von Arx) Besuch in der ökumenischen Kirche Flüh: Frère Alois (rechts), Prior der Gemeinschaft von Taizé, mit Helmut Zimmerli-Menzi (links), Präsident der Evangelisch-reformierten Kirchgemeinde, und Geri Stöcklin, Präsident des Römisch-katholischen Pastoralraumteams Solothurnisches Leimental. (Foto: Christian von Arx)

Sich begegnen, zuhören, Freunde werden

Frère Alois, Prior der Communauté von Taizé, im Gespräch in der ökumenischen Kirche Flüh

Ende Jahr findet in Basel das Europäische Taizé-Jugendtreffen statt. Einen Einblick in das Wesen der Communauté von Taizé ermöglichte eine Begegnung mit deren Prior, Frère Alois, in der ökumenischen Kirche Flüh.

«Es ist eine Sünde unserer Kirchen, dass wir die Jugendlichen mit diesen Trennungen belasten. Sie bräuchten eigentlich die Einheit.» So klar redete Frère Alois in Flüh im Interview mit Michael Bangert, Pfarrer der Christkatholischen Kirche Basel, zur Frage nach der Ökumene. «Die sichtbare Einheit müssen wir weiterhin anstreben», zeigte er sich überzeugt. «Es reicht nicht, nur nebeneinander zu leben und tolerant zu sein.»
Taizé-Gründer Frère Roger Schutz (1915–2005) war ein Protestant aus dem Waadtland, sein Nachfolger Frère Alois Löser wuchs in einer katholischen Familie in Stuttgart auf. Frère Roger habe noch geglaubt, dass die Einheit schnell kommen würde. Dann habe die Leidenschaft für die Ökumene abgenommen. Die Communauté von Taizé, die rund 100 Brüder zwischen 21 und 96 Jahren aus verschiedenen Kirchen und Kontinenten umfasst, versuche Versöhnung wirklich zu leben, erklärte Prior Alois.

«Und was ist mit den Schweizer Wurzeln?», hakte der Interviewer nach. Als der Gründer 1940 ein Grundstück in Taizé im Burgund kaufte, sagte man ihm, in der Schweiz hätte er es leichter. «Aber Frère Roger hatte die Überzeugung, dort anzufangen, wo es schwierig ist», sagte Frère Alois. Das bedeutete Brennnesselsuppe, Ackern auf steinigem Boden und Winter ohne Heizung im armen Dorf. Heute empfängt Taizé jährlich rund 100 000 Besucherinnen und Besucher aus der ganzen Welt.

Ende September besuchte Frère Alois Ägypten, Sudan und Südsudan. In Sudan gebe es eine lebendige, arabischsprachige Kirche, berichtete er. «Wir spüren ganz stark, dass wir dem afrikanischen Kontinent viel mehr zuhören sollten. Was oft fehlt, sind die persönlichen Kontakte, Freundschaften über Grenzen hinweg.» In Sudans Hauptstadt Khartum traf Frère Alois die Mutter eines Flüchtlings, der in Taizé gestorben war. Dieser hatte zu einer Gruppe gehört, die Taizé nach der Auflösung des grossen Flüchtlingslagers in Calais aufgenommen hatte.

Wie ist Frieden mit dem Islam möglich? Der Dialog sei nicht leicht, räumte Frère Alois ein. «Die Kopten, die in Ägypten stark unterdrückt werden, sagen uns, dass wir blauäugig sind. Aber wir sehen keinen anderen Weg als den Dialog.» Nach den Anschlägen von Paris habe Taizé den Kontakt zum Imam der benachbarten Stadt Chalon-sur-Saône gesucht. Heute helfe er den von Taizé aufgenommenen muslimischen Flüchtlingen, ihren Glauben zu leben und sich zu integrieren. Taizé gebe den Muslimen einen Raum zum Beten.

Die Begegnung mit Frère Alois in der ersten ökumenischen Kirche der Schweiz umfasste ein Taizé-Gebet mit vielen Liedern. Das Solothurnische Leimental will übrigens für das Europäische Jugendtreffen vom 28. Dezember bis 1. Januar in Basel mindestens 150 Jugendliche aufnehmen.

Christian von Arx

 

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