Ausgabe 33, 12. bis 18. August 2017

Gesegnete Blumen und Kräuter in der Offenen Kirche Elisabethen. (Foto: zVg) Gesegnete Blumen und Kräuter in der Offenen Kirche Elisabethen. (Foto: zVg)

Ein Magnifikat für die revolutionäre Prophetin

Zu Mariä Himmelfahrt widmet sich die Offene Kirche Elisabethen der alten Tradition des Kräutersegnens

Die Kraft des Sommers und die Schönheit der Schöpfung drücken sich nirgends so prächtig aus wie in der Farbenpracht und dem Duft von Blumen und Kräutern. Als kunstvoll zusammengesteckte Sträusschen begleiten sie die Feiern zu Mariä Himmelfahrt Mitte August.

Kräuter- und Blumenfeiern gehören zu alten, zum Teil schon vorchristlichen Traditionen. Besonders in ländlichen Gebieten war es Brauch, dass Priester am 15. August zu Mariä Himmelfahrt Sträusse von Blumen, Kräutern und auch Ähren segneten. Die gesegneten «Büschel», auch «Glückshämpfeli» genannt, steckten Bauersleute hinters Kruzifix oder mischten sie auf dem Heustock unters Futter, damit sie für Glück im Stall sorgten. Gesegnete Heilkräuter wurden auch aufbewahrt und bei Bedarf als Hausmittel gegen Krankheit und Gebrechen verwendet.

In den Dörfern ist diese Tradition mehr oder weniger verschwunden, andernorts, etwa im Kloster Mariastein, lebt sie weiter, und in der Stadt erfährt sie seit ein paar Jahren ein Revival. Jedenfalls in der Offenen Kirche Elisabethen. Seit dem Jahr 2000 feiert die Theologin Monika Hungerbühler mit anderen katholischen und reformierten Theo­loginnen acht ökumenische Frauengottesdienste im Jahreslauf – an Mariä Himmelfahrt gemeinsam mit Roswita Schilling. Neben Mariä Lichtmess, Walpurgisnacht, Mariä Himmelfahrt und Allerheiligen findet jeweils einer in den Monaten der Jahreszeitenwechsel statt.

Zum Gottesdienst an Mariä Himmelfahrt, abends um 18 Uhr, bringen die Besuche­rin­nen und Besucher vereinzelt auch Blumen- und Kräutersträusse in die Offene Kirche Elisabethen mit. Eine Reihe von farbigen Strüssli und getrockneten Blüten steht dann bereits vorn im Chor. Die Feier «Kräuter – Blumen – Gesang» ist Maria gewidmet, die in der Tradition der Kirche immer so schwer mit Dogmen beladen daherkommt, als jungfräuliche Mutter mit geneigtem Haupt immer nur Ja sagt. Für Monika Hungerbühler ist Maria aber eine andere Frau: eine junge, revolutionäre Prophetin, die das Magnifikat singt, aktiv in der Welt steht und das Kind, das sie in sich trägt, austragen will und erziehen wird, ihm die Psalmen lehrt und später Jüngerin in der Jesusbewegung wird. Die moderne Frau müsse sich diese Maria aneignen, sagt Monika Hungerbühler, die eine feministische Theologie vertritt und die Lieder in der liturgischen Feier, das «Salve Regina» oder die «Lauretanische Litanei», sehr bewusst in Latein singt. Dies, weil man das Latein in der Kirche nicht den konservativen Männern überlassen will.

Die Feier endet mit der Segnung der Kräuter und nimmt eine alte Tradition von Mariä Himmelfahrt wieder auf. Nur, dass viele dieser Pflanzen nicht auf einem weiten, freien Feld gewachsen sind, sondern vielleicht auf einem Balkon in der Stadt. Die Besucherinnen und Besucher des Gottesdienstes nehmen sie mit nach Hause, stellen sie als Sträusschen hin, lassen sie trocknen oder nutzen die eine oder andere Heilpflanze, um einen Tee aufzusetzen. «Kräuter – Blumen – Gesang», Dienstag, 15. August, 18.00 Uhr, Offene Kirche Elisabethen.

Urs Buess

 

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